03. Juni 2026
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NachWuchsKampagne

Beamten Bashing – keine gute Idee, denn man sollte nicht an dem Ast sägen, auf dem man sitzt!

In letzter Zeit wird immer häufiger sogenanntes „Beamten-Bashing“ in den Medien betrieben. Der Begriff „Bashing“ stammt aus dem Englischen (to bash = schlagen) und bezeichnet das gezielte Herabsetzen oder Schlechtmachen von Personen oder Unternehmen – oder eben den Beamten. Bashing ist das gezielte Steuern von Informationen, welche zu einer Schädigung von Ansehen oder Ruf führen. Vermehrt berichten Medien beispielsweise über sogenannte Privilegien des Beamtentums, die Abschaffung des Beamtensystems oder die Einbeziehung der Beamten in die Renten- und Krankenkasse.

Oftmals sind Berichte von Emotionen gefärbt. So beispielsweise auch der Artikel in der „Welt“ (Dorothea Siems, Veröffentlicht am 12.02.2026, hier nachzulesen): „In der Bevölkerung braut sich eine Wut auf die Beamten zusammen. Je mehr die Angst um den Arbeitsplatz um sich greift und sich Bürger um ihre Rente sorgen, desto zorniger blicken viele auf die Privilegien der Staatsdiener. Denn nie waren krisenfeste Jobs und üppige Pensionsansprüche wertvoller als heute. […] Die Steuerzahler ballen die Faust in der Tasche. Denn das deutsche Beamtentum kommt sie immer teurer zu stehen. […] Bei den anstehenden Sozialreformen dürfen die Staatsdiener nicht außen vor bleiben. Die Einbeziehung der Beamten ins Rentensystem und die gesetzliche Krankenversicherung ist geboten, auch wenn der Übergang mehrere Jahrzehnte beanspruchen wird.“ 

Solch ähnliche Artikel häufen sich in jüngster Vergangenheit vermehrt. Doch anstatt Beamten-Bashing zu betreiben, sollte man grundsätzlicher ansetzen und sich fragen, was ein Staat in den heutigen herausfordernden Zeiten benötigt. Eine resiliente, stabile Gesellschaft braucht einen starken, rechtsstaatlich handelnden und diskriminierungsfreien öffentlichen Dienst!

Die nachfolgende Aufzählung stellt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern nennt vielmehr beispielhaft einige Gründe, warum das Beamtentum essenziell ist:

1. Stabilität und Kontinuität:
Beamte sorgen für eine stabile Verwaltung, die auch in Krisenzeiten funktionsfähig bleibt. Sie gewährleisten Kontinuität in wichtigen Bereichen wie Recht, Ordnung, Gesundheit, Bildung und Infrastruktur. Ohne eine verlässliche Verwaltung könnten politische Wechsel oder Krisen den Betrieb eines Staates erheblich stören.

2. Unabhängigkeit und Neutralität:
Das Beamtentum ist durch besondere rechtliche und dienstrechtliche Regelungen geschützt, was eine unabhängige und neutrale Amtsführung ermöglicht. Diese Unabhängigkeit ist essenziell, um staatliche Entscheidungen objektiv und im öffentlichen Interesse zu treffen, frei von politischen oder privaten Einflussnahmen.

3. Rechtsstaatlichkeit und Gerechtigkeit:
Beamte sind Treuhänder des Staates und tragen dazu bei, das Rechtssystem aufrechtzuerhalten. Sie sorgen dafür, dass Gesetze umgesetzt werden und Gerechtigkeit im öffentlichen Dienst gewahrt bleibt, was für das Vertrauen der Bürger in den Staat unverzichtbar ist.

4. Fachkompetenz und Professionalität:
Beamte durchlaufen eine spezielle Ausbildung und müssen eine lebenslange Laufbahn durchlaufen, was zu hoher Fachkompetenz führt. Sie sind oftmals Experten auf ihrem Gebiet, was eine effiziente und qualitätsvolle Erfüllung ihrer Aufgaben sicherstellt. Aufgrund der Bindung an ihren Dienstherren gibt es keine Fluktuation und das Wissen ist gebunden.

Es ist nachvollziehbar, dass in Zeiten knapper Haushaltsmittel und wirtschaftlicher Herausforderungen nach möglichen Sparmaßnahmen gesucht wird. Aber gerade Haushaltspolitik sei laut Heini Schmitt, stellvertretender dbb Bundesvorsitzender, eine Frage der Prioritätensetzung: „Sparen an den Beschäftigten des öffentlichen Dienstes ist der falsche Weg. Wer heute nicht in die Beschäftigten, in Nachwuchsgewinnung und attraktive Arbeitsbedingungen investiert, zahlt morgen einen hohen Preis". Junge Menschen erwarten Sinnhaftigkeit, Verlässlichkeit, Entwicklungsmöglichkeiten und eine angemessene Bezahlung und diese jungen Menschen gilt es für den öffentlichen Dienst zu gewinnen. Insbesondere im Anbetracht des Personalmangels. Dieser ist im öffentlichen Dienst längst keine Zukunftsfrage mehr, sondern eine akute Herausforderung. Im Jahr 2025 fehlen dem öffentlichen Dienst 570.000 Beschäftigte (dbb Monitor, 2025) und laut der PwC-Studie (2022) könnten dem öffentlichen Sektor im Jahr 2030 eine Millionen Fachkräfte fehlen. Der daraus folgende staatliche Leistungsabbau hat spürbare Folgen für alle Bürger und Bürgerinnen.

Statt Beamten-Bashing im großen Stil sollte die Politik sich politisch positionieren und Prioritäten setzen. Das Beamtentum ist kein überflüssiger Apparat, sondern ein Grundpfeiler unseres Staates. Es garantiert Stabilität, Fachkompetenz, Neutralität und Rechtssicherheit – alles zentrale Säulen einer funktionierenden Demokratie und eines geregelten Gemeinwesens. Anstatt das Beamtentum zu diffamieren, sollten wir dessen Bedeutung anerkennen und wertschätzen. Dbb Vorsitzender Volker Geyer betont: „Gerade in elementaren Bereichen wie Bildung und Sicherheit profitiert die Gesellschaft enorm davon, dass diese durch den Einsatz von Beamtinnen und Beamten streikfrei bleiben. In politisch aufgeheizten Zeiten wie diesen zeigt das Beamtentum außerdem eine seiner größten Stärken: Die Kolleginnen und Kollegen legen einen Eid auf das Grundgesetz ab, sind zur unparteiischen Amtsführung verpflichtet und damit ein Bollwerk gegen den Extremismus." Für Stabilität und einen starken öffentlichen Dienst ist das Berufsbeamtentum demnach unverzichtbar.

Seit 2020 sinkt das Vertrauen der Bürger und Bürgerinnen in den Staat: 73 % der Befragten meinen, dass der Staat angesichts der Fülle seiner Aufgaben und Probleme überfordert ist (dbb Bürgerbefragung, 2025). Diese öffentliche Wahrnehmung spiegelt sich im Beamten-Bashing wider, wobei sich oftmals negativer Stereotype und Vorurteilen bedient wird. Dabei werden Beamte häufig als Symbol für Überbürokratisierung und Überregulierung gesehen. Die Forderungen nach Reformen im öffentlichen Dienst, um die Verwaltung effizienter und flexibler zu gestalten, können wir nachvollziehen. Bereits 2024 hat die dbb jugend Reformen für den öffentlichen Dienst als zwingend angesehen und zehn konkrete Reformen erarbeitet und der Regierung übermittelt (hier nachzulesen). Matthäus Fandrejewski, Vorsitzender der dbb jugend, betont: „Der Staat muss verlorenes Vertrauen zurückgewinnen. Hierfür spielt ein funktionierender und leistungsstarker öffentlicher Dienst eine Schlüsselrolle."

Das Beamtentum ist für eine funktionierende Gesellschaft unerlässlich und tagtäglich geben Beschäftigte des öffentlichen Dientest ihr Bestes. Schmitt, stellvertretender Bundesvorsitzender des dbb, gibt zu bedenken: „Wir dürfen nicht darüber hinwegsehen, dass die Belastungsgrenze bereits an vielen Orten erreicht, wenn nicht gar überschritten ist. Personalmangel, Aufgabenverdichtung, wachsende Erwartungen der Bürgerinnen und Bürger und die Herausforderung für die öffentlichen Haushalte – dies sind die Herausforderungen, mit denen wir umgehen müssen.". Außerdem werden Beschäftigte im öffentlichen Dienst zunehmend Ziel verbaler und physischer Gewalt. Wer den Staat täglich repräsentiert, braucht Schutz, Rückhalt und klare rechtliche Rahmenbedingungen anstelle von medialen Beamten-Bashing und Hetze.

Bevor man Beamten-Bashing verbreitet und unterstützt, sollte man sich fragen, wer von einem funktionierenden öffentlichen Dienst profitiert, denn letztendlich sind dies alle Bürger und Bürgerinnen. Radikale Änderungen am öffentlichen Dienst hätten weitreichende Folgen für die Gesellschaft, die Wirtschaft und persönliche Lebenssituationen. Daher mahnt die dbb jugend thüringen sprichwörtlich nicht an dem Ast zu sägen, auf dem man sitzt. Sinnvoller sind Reformen, welche die Effizienz steigern und gewährleisten, dass der Staat auch weiterhin seine wichtige Rolle für die Gesellschaft erfüllen kann.

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