25. Juni 2020
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Fehlende Ausbildungsverantwortung im Freistaat

Geringste Ausbildungsquote, Falsche Schwerpunkte und fehlende Ansprache - Thüringen lässt Ausbildung im Öffentlichen Dienst ausbluten

Ausbildung im Öffentlichen Dienst in Thüringen? Polizei, Lehrer, Justiz und Finanzamt und was gibt es noch? In einer Analyse unter Betrachtung des öffentlichen Dienstes im Ganzen (Land und Kommunen), als ein Arbeitgeber, suchte der Thüringer Beamtenbund nach versteckten Glanzstücken in der Ausbildung und fand in seiner Bilanz eine Ausbildungskrise.

In seiner Ausbildungsinitiative 2021 verdeutlicht der tbb beamtenbund und tarifunion thüringen wie ernst es um die Ausbildung im öffentlichen Dienst steht und somit um die Zukunft des öffentlichen Dienstes insgesamt. Der öffentliche Dienst ist der größte Arbeitgeber in Thüringen. 10,5 Prozent aller Erwerbstätigen in Thüringen arbeiten rein statistisch im Landes- oder Kommunaldienst. „Die dauerhafte Gewinnung von Mitarbeitern baut auf drei Säulen auf: Erstens auf einer guten Bewerberansprache, womit die Kommunikation mit potenziellen Bewerbern gemeint ist, zweitens auf dem Setzen von Anreizen im Sinne von attraktiven Arbeitsbedingungen und drittens auf der Schaffung eines geeigneten Bewerberpools, beispielsweise über die eigene Ausbildung“, so Frank Schönborn, stellvertretender Landesvorsitzender des Thüringer Beamtenbundes und resümiert: „Wir sind in keinem dieser Punkte wirklich gut aufgestellt“.

Große Herausforderung – 2.189 Beschäftigte scheiden jährlich altersbedingt aus

„In Thüringen stehen wir – wie in fast allen Bundesländern – vor einer gigantischen Herausforderung. Nicht nur, dass wir in den letzten Jahren in einigen Bereichen, wie dem Eichwesen, dem Arbeitsschutz, den technisch- und naturwissenschaftlichen Behörden, dem Lebensmittelschutz und dem öffentlichen Gesundheitsdienst überproportional Personal abgebaut haben, dessen Bestand wie uns die Krise gezeigt hat, dringend wiederaufgebaut werden muss. In den nächsten 7 Jahren werden rechnerisch 2.189 Beschäftigte jährlich, 182 monatlich altersbedingt aus dem öffentlichen Dienst ausscheiden“, rechnet der stellvertretende Landesvorsitzende Frank Schönborn vor.

Thüringen mit Ausbildungsquote auf letztem Platz

Der öffentliche Dienst in Thüringen liegt mit einer Ausbildungsquote von 3,3% am Gesamtbeschäftigtenanteil an letzter Position im Ländervergleich. Vergleichbar große Arbeitgeber kommen auf Ausbildungsquoten von über 5%. Hinzu kommt das Problem, dass auf 100 Ausbildungsplätze im rein statistischen Mittelwert gerade mal 75 Bewerber kommen. Ausbildungsplätze im öffentlichen Dienst sind jedoch vergleichbar gut gefragt.

Jeder 10. Schulabsolvent allein für öffentlichen Dienst gebraucht

Tim Reukauf, Junglehrer und stellvertretender Jugendleiter, ergänzt: „18.199 Absolventen gab es an Thüringer Schulen 2019. Betrachtet man diese Zahl im Verhältnis zur Zahl der allein aufgrund des Alters ausscheidenden Beschäftigten im öffentlichen Dienst in Thüringen, müssten sich 12 Prozent und damit mehr als jeder 10. Absolvent verbindlich für eine Karriere im öffentlichen Dienst entscheiden. Und damit wäre nur der Grundbedarf gedeckt und noch keine zusätzlichen Kräfte eingestellt, wie z.B. für die Schulen und im Bereich Polizei gefordert wird.“

Falsche Schwerpunkte - Ausbildungsinhalte anpassen

Darüber hinaus betonen die Einstellungsbehörden die regelmäßige Bedeutung von kommunikativer und interkultureller Kompetenz. Dabei wird auf die politische Forderung nach einer bürgernahen Verwaltung in einer kulturell heterogenen Umgebung verwiesen. „Die Vermittlung dieser und weiterer Kernkompetenzen, wie interdisziplinäres Denken, Selbstorganisation und Flexibilität, aber auch Verständnis für politische Prozesse und die situationsgerechte Kommunikation mit Antragstellenden bei der Sachverhaltsermittlung ist nicht selbstverständlich in einer Ausbildung in- und außerhalb des öffentlichen Dienstes. Daher sollten auch Ausbildungsberufe – wie Kauffrau/-mann für Bürokommunikation – wieder selbst durch die Verwaltung ausgebildet werden, denn Dienstleistung fängt bereits am Empfang an.

Fehlende Ansprache

„Der öffentliche Dienst muss raus an die Schulen und die Fachkräfte von morgen gleich vor Ort gewinnen. Schließlich geht es nicht nur darum, überhaupt Personal zu gewinnen, sondern auch, das richtige Personal für eine zukunftsfähige Verwaltung zu gewinnen und zu motivieren“, schlägt Schönborn weiter vor.

Unterschiedliche Bewerbertermine

Zudem gibt es für die Ausbildungen im Landesdienst unterschiedliche Bewerbungstermine. Im Anschluss daran ist Thüringen bei einigen Ausbildungsbereichen sehr spät, was die Zusagen des Ausbildungsplatzes angeht. „Hier wird leichtfertig und ohne Not der Bewerberkreis, aufgrund der späten Zusagen für die Lehrstellen aus dem Thüringer Finanzministerium, stark eingeschränkt“, so der stellvertretende Jugendleiter und Junglehrer Reukauf.

Fazit - Thüringen füllt Vorbildrolle nicht aus

„Diese Zahlen zeigen sehr deutlich, dass der öffentliche Dienst in Thüringen nicht nur selbst ein Nachwuchsproblem hat, sondern das Nachwuchsproblem der Unternehmen in Thüringen noch verschärfen wird“, so Schönborn warnend. Er sieht als einzige Lösung, dass der Freistaat seine Ausbildungskapazitäten erhöhen muss und vor allem auch über Bedarf ausbilden muss, um Fachkräfte für Thüringen zu gewinnen und zu binden.

Thüringer Beamtenbund am Puls der Zeit

Der tbb hat sich mit einem Schreiben an den Ministerpräsidenten gewandt und zudem in mehreren Gesprächen mit den Fraktionsvorsitzenden der Regierungsfraktionen und der CDU dafür eingesetzt, dass

Wichtigste Forderung dabei ist jedoch, dass dies alles sich bereits im Haushalt 2021 widerspiegeln muss. „Wir brauchen gute und qualifizierte Beschäftigte für eine starken, funktionsfähigen, serviceorientierten und attraktiven öffentlichen Dienst“ so abschließend Schönborn.

Pressemeldung als PDF

Übersicht Auszubildende in den Ländern 2017-2018

TLS - Personal in Ausbildung*) im Landes- und Kommunalen Bereich am 30.06. des jeweiligen Jahres

 

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