08. September 2026

NachWuchsKampagne

Das Blatt muss sich wenden - Die Politik muss jungen Menschen Gehör schenken!

Psychischer Stress, unsichere Zukunftsaussichten und wachsende Zweifel: Die Trendstudie 2026 zeigt, wie stark Dauerkrisen junge Menschen belasten. Der Druck auf die junge Generation steigt und unsichere berufliche Perspektiven, Schulden sowie mentaler Stress prägen junge Menschen, sie fühlen sich überfordert und politisch entfremdet.

Die Autoren der Studie ermahnen, die Sorgen der jungen Generation ernst zu nehmen, doch die Politik scheint die Interessen dieser aus den Augen zu verlieren. Die junge Generation fühlt sich in gesellschaftlichen Zukunftsfragen zu wenig beteiligt. Dies bestätigte auch der „Demokratie Monitor 2025“: Die Mehrheit der jungen Menschen (56 %) ist der Meinung, dass das politische System nicht gut funktioniert, und sie bringen der Bundesregierung wenig Vertrauen entgegen. Bei der Bundestagswahl 2025 waren nur 13 % der Wahlberechtigten jünger als 30 Jahre. Folglich werben die Parteien um die Stimmen der älteren Generation. Doch zu bedenken ist, dass sich junge Menschen zunehmen den politischen Rändern zuwenden, weil sie dort eher gehört werden. Laut der Trendstunde 2026 lässt sich das politische Bild der jungen Generation nicht mit dem Schlagwort der Politikverdrossenheit beschreiben. Die Jugend traut sich zu, politische Fragen zu verstehen und zu diskutieren, aber gleichzeitig ist ihr Vertrauen in politische Institutionen gering. Laut der Studie würden bei einer Bundestagswahl 25 % der Befragten die Linke und 20 % die ADF wählen. Diese Polarisierung betrachtet auch Matthäus Fandrejewski, Vorsitzender der dbb jugend, kritisch: „[…] der Konsens über demokratische Grundeinstellungen bröckelt. Das betrachte ich mit großer Sorge.“ 

Betrachtet man die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 2026 zeigt sich, dass 41 % der 18 bis 24-Jährigen bzw. 43 % der 25 bis 34-Jährigen die AfD wählten. Frank Greuel, Erziehungswissenschaftler und Forscher am Deutschen Jugendinstitut, sieht den pessimistischen Blick der jungen Generation auf die Zukunft Deutschlands als einen Grund für dieses Wahlverhalten: „Wir leben in einer Zeit, die sehr krisenhaft ist. Es gibt weltweit Kriege und Konflikte, die sich verschärfen. Es gibt eine ökonomische Krise, auch eine ökologische Krise. Und das ist für junge Menschen besonders schwerwiegend. Sie fangen an, ihr Leben zu planen und haben eine Sensibilität gegenüber Krisen und eine Sensibilität gegenüber dem, was ihnen vielleicht genommen wird oder wo sie ein hohes Risiko dafür sehen. Sie sind besonders betroffen.“ (Tagesschau, 26.09.2024, 08:28 Uhr, Interviews „Wahlerfolge der AfD“). 

Doch was sind die Themen, welche junge Menschen beschäftigen?

Mit 62 % sorgen sich junge Menschen am meisten um den Krieg in Europa und Nahost. Aber auch die Inflation (53 %), teurer und knapper Wohnraum (50 %), der Zusammenbruch des Rentensystems (45 %), die Wirtschaftskrise (44 %) sowie die Belastungen der jungen Generation durch Staatsverschuldung (38 %) bereiten ihnen Sorgen. Diese Sorgen und Polykrisen belasten junge Menschen zunehmend. Dies betont auch der Studienleiter Simon Schnetzer: „Die Ergebnisse der Trendstudie zeigen auf dramatische Weise, wie sehr die Belastungen der letzten Jahre den jungen Menschen zusetzen - in Form von Stress, Erschöpfung und wachsender Perspektivlosigkeit“. Fast jede Dritte Befragte Person (29 %) gab an, psychologische Unterstützung zu benötigen – ein neuer Höchststand. 

Ebenso auf den Höchststand ist mit 23 % der Anteil junger Menschen, welche Schulden haben. Instabile Zukunftsaussichten und teurer & knapper Wohnraum verschärft diese Entwicklung. Aufgrund wirtschaftlicher Unsicherheiten und des voranschreitenden Einflusses von KI bewerten junge Menschen ihre beruflichen Chancen deutlich schlechter als zuvor. Diese Entwicklungen haben Folgen: 41 % der Befragten ziehen in Erwägung, auszuwandern und 21 % haben es konkret geplant. Dabei zieht sich dieses Phänomen durch alle gesellschaftlichen Schichten. Die Studienergebnisse sind höchst alarmierend, denn Deutschland fehlt es an verlässlichen Zukunfts- und Wohlstandperspektiven für junge Menschen. Dies betont auch die Bildungsforscherin Nina Kolleck von der Uni Potsdam „[…] bei der Mehrheit junger Menschen überwiegt eine starke Unzufriedenheit mit der Wirtschaft, dem Zusammenhalt, der Wohnraumsituation und den politischen Verhältnissen in Deutschland.".

Was muss die Politik nun tun? 

Nun ist dringender Handlungsbedarf der Politik gefragt. „Die Politik muss die Studienergebnisse ernst nehmen und erkennen, dass junge Menschen eine Perspektive brauchen! Sie muss der politischen Verantwortung für die aktuelle und zukünftige Lebenslage von uns jungen Menschen nachkommen.“ fordert Saskia Grimm, die Landesjugendvorsitzende der dbb jugend thüringen. Die Politik sollte das Vertrauen der jungen Generation zurückgewinnen: „Es braucht den direkten Dialog mit jungen Menschen, wir dürfen nicht von politischen Entscheidungen ausgeschlossen werden.“ fährt Saskia Grimm fort. 

Auch der Jugendforscher Klaus Hurrelmann, Hertie School Berlin, plädieren für neue Formen der gesellschaftlichen und politischen Beteiligung in Form von Generationendialogen. Das Ziel müsse sein, der jungen Generation mehr Vertrauen und mehr Verantwortung zu geben, und damit die Leistungsbereitschaft zu stärken, die viele von ihnen weiterhin deutlich artikulieren. Denn trotz der schwierigen Lage bleibt die Leistungsbereitschaft der jungen Generation hoch. Die Studienergebnisse widerlegen den Stereotyp der „faulen Gen Z“, denn 82 % der jungen Beschäftigten arbeiten in Vollzeit, da kann von Lifestyle-Teilzeit keine Rede sein. Sie sind motiviert und bereit, Leistung zu bringen. Die junge Generation ist so fleißig wie lange nicht mehr. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) kam zu der Erkenntnis, dass junge Beschäftigte sich so stark am Arbeitsmarkt wie seit Jahrzehnten nicht mehr beteiligen: von 2015 bis 2023 seien sowohl die Teilzeit- als auch die Vollzeitbeschäftigung stark gestiegen.

Die dbb jugend thüringen ist der Meinung, dass es höchste Zeit dafür ist, dass sich das Blatt endlich wendet! Die Politik muss jungen Menschen Gehör schenken und ihre Perspektive in politische Entscheidungen beachten. Es wird zu viel über junge Menschen geredet anstatt mit ihnen! Es bedarf einer Stärkung der Jugendparlamente und die Bedürfnisse der jungen Generation müssen endlich berücksichtigt werden: beispielsweise müssen psychische Belastungen junger Menschen ernst genommen werden, Förderungen für Jugendverbandsarbeit dürfen nicht unverhältnismäßig gekürzt werden und die Bildung darf nicht Opfer von Sparmaßnahmen werden. Laut der Trendstudie 2026 ist der Protest der Jugend da und „unter der Oberfläche braut sich etwas zusammen.“ (Zitat der Studienautorin Nina Kolleck). Auch die Jugendvorsitzende Saskia Grimm findet klare Worte: „Wenn die Politik jetzt nicht handelt, verliert sie eine Generation! Man darf nicht vergessen, dass die Junge Generation die Zukunft darstellt, deswegen sollte man sie und ihre Anliegen schleunigst ernst nehmen!

 

Information zur Trendstudie: Die neunte Trendstudie "Jugend in Deutschland 2026 - Zukunft unter Druck" basiert auf einer repräsentativen Befragung von 2.012 Personen im Alter von 14 bis 29 Jahren.

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