23. März 2026

dbb bundesfrauenkongress 2026

dbb frauen wählen neue Bundesgeschäftsführung

Milanie Kreutz bleibt Vorsitzende – Tanja Küsgens rückt zur stellv. Vorsitzenden auf – neue Beisitzerinnen und Ehrenmitglieder.

Zu Beginn des 13. dbb bundesfrauenkongress haben die Delegierten der dbb bundesfrauenvertretung am 20. März 2026 ihre Geschäftsführung für die nächsten fünf Jahre neu gewählt.

Milanie Kreutz wurde als Vorsitzende der Geschäftsführung bestätigt. Kreutz ist seit 2020 Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung und seit 2022 stellv. dbb-Bundesvorsitzende. Ihre Heimatgewerkschaft ist die Deutsche Steuergewerkschaft (DSTG), bei der sie von 2012 bis 2020 Bundesfrauenvertreterin war. Sie bedankte sich bei den Delegierten für ihr Vertrauen und betonte: „Wir haben viel erreicht und ich werde mich weiterhin unermüdlich für die Frauen im öffentlichen Dienst einsetzen.“ Die dbb frauen seien mittlerweile ein gefragter Verband in der Frauen- und Gleichstellungspolitik. „Diesen Stand will ich gemeinsam mit der neuen Geschäftsführung noch weiter ausbauen und den mehr als drei Millionen Frauen im öffentlichen Dienst eine starke Stimme geben.“ 

Neue stellv. Vorsitzende ist Tanja Küsgens (Verband Bildung und Erziehung - VBE). Küsgens wurde 2021 bereits zur Beisitzerin in die Geschäftsführung gewählt. Sie löst damit Michaela Neersen ab, die 2020 zunächst zur Beisitzerin, ab 2021 dann zur stellv. Vorsitzenden gewählt wurde. Neersen war nicht erneut zur Wahl angetreten.

Als neue Beisitzerinnen wurden Valentina van Dornick (komba gewerkschaft),  Sandra Schäfer (Bayerischer Beamtenbund -BBB) und Martina Scherer (Deutscher Philologenverband - DPhV) in die Geschäftsführung gewählt. Synnöve Nüchter (dbb berlin), seit 2020 Beisitzerin der Geschäftsführung, bleibt im Amt. Van Dornick, Schäfer und Scherer treten die Nachfolge von Elke Janßen und Sabine Wendt an; zudem wurde die bisherige Beisitzerin Tanja Küsgens zur stellv. Vorsitzenden gewählt. Janßen und Wendt waren nicht mehr zur Wahl angetreten. 

Am 21. März 2026, dem zweiten Kongresstag, wählten die Delegierten Elke Janßen (Gewerkschaft der Sozialversicherung - GdS), Sabine Wendt (Deutsche Polizeigewerkschaft – DPolG) und Michaela Neersen (Gewerkschaft der Sozialverwaltung - GdV) zu Ehrenmitgliedern. Kreutz bedankte sich bei den scheidenden Mitgliedern: „Die drei haben Großes für die dbb frauen geleistet. Sie haben sich unermüdlich für Gleichstellung und Frauenrechte eingesetzt. Nicht nur in ihren Gewerkschaften und Landesbünden, sondern weit darüber hinaus im öffentlichen Dienst und in der Gesellschaft. Vielen Dank für die ausgezeichnete Zusammenarbeit und alles Gute für die Zukunft.“

dbb frauen loten ihre Politik neu aus

Am zweiten Tag des Kongresses haben die Delegierten über fast 300 Anträge entschieden und damit die Politik der dbb frauen für die nächsten fünf Jahre neu ausgerichtet.

Milanie Kreutz, Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung und stellv. dbb Bundesvorsitzende, betonte am 21. März 2026 in Berlin: „Fast 300 Anträge bedeuten nicht nur Arbeit. Sie bedeuten Engagement, Leidenschaft und Erfahrung aus Praxis. Anträge sind nichts Abstraktes. Hinter jedem Antrag stehen ein Missstand und ein Veränderungswille.“ 

Diese Themen sind entscheidend für die nächsten fünf Jahre: 

Parität, Gleichstellung & Genderpolitik: Vom Bundestag bis in die Kreistage sind Frauen in Parlamenten unterrepräsentiert. Auch in den Betriebs- und Personalräten sind Frauen oft in der Unterzahl. Um das zu ändern, braucht es Parität in allen Parlamenten und Gremien. Gleichzeitig müssen wir Frauen mehr fördern, damit sie ihre Stärken besser ausspielen können. Auf der anderen Seite müssen aber auch die Bewertungskriterien neu gedacht werden, da diese häufig Frauen beim Fortkommen benachteiligen.   

Schutz vor Gewalt, Diskriminierung und Extremismus: Gewalt gegen Frauen ist weiterhin viel zu weit verbreitet. Der einzige Weg vorwärts lautet: Null Toleranz gegenüber Gewalt, sexueller Belästigung und Mobbing. Schutz und Prävention im öffentlichen Dienst muss gestärkt werden. Zusätzlich brauchen Betroffene bessere Unterstützungsstrukturen.   

Digitalisierung, KI & Staatsmodernisierung: Verwaltungsdigitalisierung und Staatsmodernisierung müssen zukunftssicher gestaltet werden. KI spielt dabei eine zentrale Rolle, bei der Arbeit zu unterstützen. Allerdings darf die KI nicht diskriminieren oder den Datenschutz verletzen. Zudem müssen betriebliche Interessenvertretungen bei der Einführung neuer Technologien frühzeitig eingebunden und Schulungen für Mitarbeitende angeboten werden.   

Arbeitszeit, Arbeitsorganisation und moderne Arbeitsformen: Geschlechtergerechte und lebensphasenorientierte Arbeitszeitgestaltung muss im öffentlichen Dienst und im privatisierten Dienstleistungssektor verankert werden. Zu den Maßnahmen gehören unter anderem Arbeitszeitflexibilisierung, Führung in Teilzeit, Jahresarbeitszeitkonten und ein Recht auf Nicht-Erreichbarkeit.   

Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Die Politik muss bessere Rahmenbedingungen für Alleinerziehende schaffen. Das Elterngeld muss gestärkt werden – das sorgt auch für mehr Flexibilität. Darüber hinaus muss die Kinderbetreuung ausgebaut und flexibilisiert werden. Hier sind auch mehr betriebliche Kitas denkbar. Zudem soll die Elternzeit gerechter aufgeteilt werden.   

Pflege: Ein Großteil der Pflegearbeit von Frauen erfolgt unsichtbar und unbezahlt. Die dbb frauen haben deshalb den Leitantrag „Pflegearbeit sichtbar machen – Vereinbarkeit von Beruf und Pflege verbessern“ verabschiedet. Denn meist sind es die Frauen, die in Teilzeit gehen, um Angehörige zu pflegen. Um das auszugleichen, braucht es eine steuerfinanzierte Lohnersatzleistung für pflegende Angehörige und die Anerkennung von Pflegezeiten in der Alterssicherung.   

Frauengesundheit: Die dbb frauen fordern, dass Gesundheitsvorsorge geschlechtersensibel gestaltet wird. Darunter fällt auch die Berücksichtigung der Menopause am Arbeitsplatz. Insgesamt muss das betriebliche Gesundheitsmanagement verstärkt werden – auch hinsichtlich psychischer Belastungen.   

Bildung und Gesellschaft: Bildung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Politische Bildung, Antisemitismusprävention und Geschlechtergerechte Pädagogik stärken auch das demokratische Denken. Mehr Bildung wirkt auch dem Fachkräftemangel entgegen.   

Wirtschaft und Steuern: Steuerpolitik ist ein wichtiger Hebel bei der Geschlechtergerechtigkeit. Konkret fordern die dbb frauen, dass die Steuerklassen III und V sowie das Ehegattensplitting abgeschafft oder zumindest reformiert werden. Insgesamt gehört der Gender Pay Gap vollständig geschlossen und Lohntransparenz eingeführt.    

Dienst-, Besoldungs-, Tarif- und Sozialpolitik: Das Berufsbeamtentum muss erhalten bleiben, eine Zwangs-Bürgerversicherung lehnen die dbb frauen ab. In der Eingruppierung, Besoldung und Entgeltordnung muss mehr Geschlechtergerechtigkeit herrschen, indem geschlechtsspezifische Nachteile ausgeglichen werden.   

Ehrenamt und Verbandskultur: Das Ehrenamt ist zentraler Bestandteil des gesellschaftlichen Zusammenhalts. Die Politik muss es deshalb stärken und fördern. Die dbb frauen setzen sich zusätzlich für die Förderung von Frauen in der Gewerkschaftsarbeit ein. 

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