NachWuchsKampagne
Der Personalmangel wächst uns über den Kopf!
Dem Staat fehlen mehr als 600.000 Beschäftigte! - Der Personalmangel wächst uns über den Kopf, denn die Belastung für das vorhandene Personal ist enorm. Gesundheit ist das höchste Gut des Menschen. Doch was ist, wenn Arbeit krank macht? Vor allem die Psychische Belastung in der Arbeitswelt nimmt zu.
Laut dem wissenschaftlichen Institut der AOK sind die Krankheitstage aufgrund psychischer Erkrankungen seit 2014 um rund 47 % gestiegen. Im öffentlichen Dienst ist die psychische Belastung besonders hoch. Bei einer Umfrage des dbb gaben 70 % der Beschäftigten des öffentlichen Dienstes an, sich „eher stark“ oder „sehr stark“ belastet zu fühlen. Zum Vergleich: in der Privatwirtschaft sind es 48 %.
Eine zunehmende Arbeitsbelastung sowie immer komplexere rechtliche und politische Vorgaben bei gleichzeitig knapp bemessenen Ressourcen setzen die Beschäftigten im öffentlichen Dienst zunehmend unter Druck. „Viele Beschäftigte im öffentlichen Dienst arbeiten am Limit. Aufgaben werden immer mehr und komplexer, die Fallzahlen steigen, die Anforderungen nehmen zu. Der Fachkräftemangel verstärkt diese Überlastung zusätzlich“, kritisiert der dbb-Bundesvorsitzende Volker Geyer.
Die zunehmende psychische Belastung lässt sich auf strukturelle Ursachen zurückführen: Digitalisierung, demografischer Wandel, Fachkräftemangel und gesellschaftliche Multikrisen erhöhen dauerhaft die Anforderungen an Beschäftigte. Belastung entsteht damit vermehrt im organisationalen Kontext. Das sieht auch Volker Geyer so: „Das ist kein individuelles Problem, sondern ein strukturelles und politisches Problem“. Hinzukommen Erwartungskonstellationen und systemische Bedingungen. Beschäftigte im öffentlichen Dienst arbeiten oft in Organisationen, die gleichzeitig Stabilität sichern und auf permanente Veränderung reagieren müssen. Außerdem arbeiten sie im öffentlichen Dienst häufig in einem Spannungsfeld aus hoher Verantwortung und eingeschränkter Einflussmöglichkeit. Ein Sozialstaat, welcher ständig umgebaut wird, überfordert seine Beschäftigten „Ständig neue Reformen, ständig neue Vorgaben, ständig neue politische Eingriffe: Das führt zu einem enormen Druck auf die Beschäftigten. Wir müssen weg von einer Politik, die immer neue Erwartungen formuliert, ohne die Voraussetzungen zu schaffen.“ mahnt Volker Geyer.
Um die zunehmenden Herausforderungen und stetig wachsenden Aufgaben zu bewältigen, fehlen rund 600.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (dbb Monitor, 2025). Hier wird ein dringender Handlungsbedarf für die Arbeitgeberseite deutlich, denn größer werdende Aufgaben bei gleichbleibenden Personalressourcen verschärfen das Erleben von Belastung. Ziel sollte nicht die punktuelle Stressbewältigung sein, sondern die Gestaltung von Rahmenbedingungen, welche eine langfristige Leistungsfähigkeit sicherstellen. Denn schließlich ist ein Staat nur so leistungsfähig, wie die Menschen, die ihn vertreten.
Damit uns die Situation nicht über den Kopf wächst, braucht es strukturelle Veränderungen. Der dbb-Chef betont: „Wer einen starken Staat will, der muss die Beschäftigten stärken. Das bedeutet ganz konkret: mehr Personal, bessere Arbeitsbedingungen, verlässliche IT-Strukturen und vor allem: Vertrauen in die Expertise der Beschäftigten.“ Alles in allem müssen Belastungen dort angegangen werden, wo sie entstehen.
Auch die dbb jugend thüringen sieht die Belastungen in der Arbeitswelt kritisch. Vor allem der Druck für die junge Generation steigt. Die Jugendstudie 2026 zeigt bedauerlicherweise, dass psychische Belastungen unter jungen Menschen einen Höchststand erreichen. Diese zeigt sich in Form von Stress, Erschöpfung und wachsender Perspektivlosigkeit. Dauerkrisen, unsichere berufliche Aussichten, Schulden und mentaler Stress kennzeichnen die Lebenslage zahlreicher junger Menschen. Trotz der herausfordernden Umstände bleibt die Leistungsbereitschaft der jungen Generation hoch. Die große Mehrheit ist bereit, zu arbeiten und Verantwortung zu übernehmen. Damit dies gesund gelingt, müssen insbesondere junge Menschen in der Arbeitswelt unterstützt werden.
Junge Menschen befinden sich in der Einstiegs- bzw. Berufsanfangsphase, welche natürlicherweise mit einer erhöhten Unsicherheit und notwendigen Anpassungsprozessen einhergeht. Hinzu kommt, dass sie häufig mit einer starren Arbeitsplatzkultur und Hierarchien konfrontiert werden. Außerdem erhalten viele junge Menschen einen befristeten Vertrag und befürchten eine unsichere berufliche Zukunft. Diese eingeschränkte Planungssicherheit wiederum verstärkt das Stressempfinden.
Diese Faktoren tragen dazu bei, dass junge Beschäftigte im öffentlichen Dienst eine erhöhte psychische Belastung erleben. Es ist wichtig, Maßnahmen zur Unterstützung und Prävention zu fördern, um ihre Gesundheit und Arbeitszufriedenheit zu sichern. Die dbb jugend thüringen wünscht sich eine Entlastung für junge Beschäftigte im öffentlichen Dienst und schlägt folgende Maßnahmen vor:
1. Mentoring und Unterstützung: Einführung von Mentoring-Programmen, bei denen erfahrene Mitarbeitende junge Mitarbeitende einarbeiten, begleiten und unterstützen.
2. Weiterbildung und Schulungen: Regelmäßige Fortbildungen, die Kompetenzen stärken, auf Herausforderungen im Job vorbereiten und Sicherheit geben.
3. Psychische Gesundheitsangebote: Zugang zu Beratungsstellen, Supervisionen und Stressmanagement-Workshops.
4. Arbeitszeitgestaltung: Flexible Arbeitszeiten und Homeoffice unter klarer Abgrenzung zwischen Arbeit und Freizeit, um Überlastung zu vermeiden und Pendlerstress zu reduzieren.
5. Offene Kommunikation: Eine Selbstverständnis etablieren, das Mitarbeitende ihre Probleme und Belastungen offen ansprechen können und eine angemessene Fehlerkultur gelebt wird.
6. Beteiligung und Mitbestimmung: Mitarbeitende in Entscheidungsprozesse einbeziehen, und der Meinung junger Menschen Beachtung schenken.
Die psychische Belastung allgemein und explizit für junge Menschen im öffentlichen Dienst ist vielschichtig, aber durch gezielte Maßnahmen auf organisationaler und individueller Ebene können Arbeitsbedingungen verbessert und Stress reduziert werden. Es ist wichtig hierbei, eine unterstützende Arbeitsatmosphäre zu fördern und Probleme auf struktureller Ebene zu lösen. Darüber hinaus muss der Staat handeln und endlich dem Personalmangel entgegenwirken. Der öffentliche Dienst muss attraktive Arbeitsbedingungen und Vergütung bieten, um Fachkräfte für die Bewältigung der Aufgaben zu gewinnen. Anstatt Kürzungen, „Beamten-Bashing“ (= öffentliche herabsetzende Kritik) und Neiddebatten braucht es Wertschätzung und konstruktive Lösungen. „Gute Arbeit im öffentlichen Dienst […] braucht verlässliche Rahmenbedingungen, die Menschen stärken und nicht zusätzlich belasten!“ betont Simone Fleischmann, Stellvertretende Bundesvorsitzende des dbb und Vorsitzende der dbb akademie. Der Staat muss endlich handeln, denn der Personalmangel und die daraus resultierenden Belastungen wachsen uns über den Kopf!
