25. September 2026

36. Deutscher Rechtspflegertag vom 23. bis 25. September 2026 in Erfurt

Rechtspflege der Zukunft

„Wie sieht die Rechtspflege der Zukunft aus?“ – mit dieser zentralen Frage befasste sich der Bund Deutscher Rechtspfleger (BDR) bei seinem 36. Deutschen Rechtspflegertag vom 23. bis 25. September 2026 in Erfurt. Delegierte aus ganz Deutschland haben über die Herausforderungen und Perspektiven eines Berufsstandes beraten, der für die Funktionsfähigkeit der Justiz von zentraler Bedeutung ist.

Dabei geht es um weit mehr als berufspolitische Einzelfragen. Die Zukunft der Rechtspflege ist eine Frage der Zukunft des Rechtsstaates. Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, demografischer Wandel, steigende Anforderungen und zunehmender Fachkräftemangel verändern die Justiz nachhaltig. Die Rechtspflegerinnen und Rechtspfleger wollen diesen Wandel nicht lediglich begleiten, sondern ihn aktiv mitgestalten.

Eine zukunftsfähige Rechtspflege setzt aus Sicht des Berufsverbandes insbesondere voraus, dass technologische Entwicklungen wie die elektronische Akte und der Einsatz von KI mit einer angemessenen personellen und strukturellen Ausstattung einhergehen. Zugleich bedarf es zeitgemäßer rechtlicher Rahmenbedingungen für das Berufsbild und die Zuständigkeiten der Rechtspflegerinnen und Rechtspfleger. 

Qualität, Verlässlichkeit und Bürgernähe müssen auch unter veränderten digitalen Rahmenbedingungen gewährleistet bleiben. Dafür braucht es moderne Strukturen und neben einer angemessenen personellen Ausstattung auch attraktive Arbeitsbedingungen. Der BDR verbindet diese Forderungen mit einem klaren Bekenntnis zum Rechtsstaat. Denn: Der Rechtsstaat ist das Rückgrat unserer Demokratie. Ein Rechtsstaat kann jedoch nur so leistungsfähig sein wie die Justiz, die ihn täglich verwirklicht. Rechtspflegerinnen und Rechtspfleger übernehmen hierbei in zahlreichen Bereichen eigenständige und verantwortungsvolle Aufgaben.

Neue Bundesleitung unter Björn Benkhoff

Björn Benkhoff wurde zum neuen Bundesvorsitzenden des BDR gewählt. Mit der neuen Bundesleitung verbindet sich der Anspruch, die Interessen des Berufsstandes auf Bundesebene weiterhin deutlich zu vertreten und die rechtspolitische Entwicklung aktiv mitzugestalten. Gleichzeitig wurden sechs Persönlichkeiten für ihr langjähriges Engagement zu Ehrenmitgliedern des BDR ernannt. Zu den Geehrten gehört u.a. auch die Landesvorsitzende des BDR Thüringen Barbara Zwinkau. Die Auszeichnungen sind Ausdruck der Anerkennung für jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement und den Einsatz für die Belange der Rechtspflege.

Politik, Justiz und Gewerkschaften im Speed-Talk

Höhepunkt der öffentlichen Veranstaltung am 24. September 2026 war ein Speed-Talk mit Gästen aus Politik, Justiz und Gewerkschaften. Auf dem Podium diskutierten MdL Beate Meißner, MdL Anne-Marie Keding, Dr. Heino Kirchner aus dem Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, Heini Schmitt vom dbb sowie der neue BDR-Bundesvorsitzende Björn Benkhoff über aktuelle Herausforderungen und die Zukunft der Rechtspflege.

Auch der Landesvorsitzende des tbb beamtenbund und tarifunion thüringen Frank Schönborn nahm an der Veranstaltung teil. Er gratulierte der neuen BDR-Bundesleitung sowie den neu ernannten Ehrenmitgliedern und unterstrich damit die enge Verbindung zwischen Berufsvertretung und gewerkschaftlicher Interessenvertretung im öffentlichen Dienst.

Gute Rechtspflege braucht gute Rahmenbedingungen. Besoldung, Personalgewinnung, Nachwuchssicherung und moderne Arbeitsbedingungen sind keine Nebenthemen. Sie entscheiden mit darüber, ob die Justiz auch künftig ihre Aufgaben zuverlässig erfüllen kann. Die Rechtspflege steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Entscheidend wird sein, ob es gelingt, Digitalisierung und neue Technologien mit ausreichendem Personal, klaren rechtlichen Rahmenbedingungen und einer starken beruflichen Verantwortung zu verbinden.

Die Botschaft aus Erfurt ist deshalb eindeutig. Zukunftsfähige Justiz braucht eine starke Rechtspflege. Und ein starker Rechtsstaat braucht Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und Veränderungen aktiv zu gestalten.

Mehr Informationen:
Berichterstattung des dbb: „Regierung nach Regierung verzögert die Besoldung“

BDR Bundesverband

BDR Landesverband Thüringen

Berufsbild und Studium

zurück