06. Oktober 2026

6. Thüringer E-Government Kongress in Erfurt

tbb zur Personalgewinnung und - Entwicklung in Zeiten des Fachkräftemangels

Mit einem fulminanten Programm, vier Panels, 24 Workshops, 27 Ausstellern, über 800 Teilnehmern aus dem Kommunal- und Landesdienst Thüringen hat das Thüringer Ministerium für Digitales und Infrastruktur (TMDI) seinen 6. E-Government-Kongress am 22. September 2026 im Erfurter Steigerwaldstadion durchgeführt.

In den kommenden zehn Jahren bis 2035 ist mit tiefgreifenden Veränderungen der Arbeitswelt infolge des fortschreitenden Einsatzes künstlicher Intelligenz (KI) zu rechnen. KI wird voraussichtlich zahlreiche Arbeitsprozesse, Tätigkeitsprofile und Formen der Zusammenarbeit nachhaltig verändern. Vor diesem Hintergrund sind Beschäftigte mehr denn je gefordert, sich mit den technologischen Entwicklungen und den daraus resultierenden Veränderungen ihrer Arbeitsumgebung auseinanderzusetzen. Eine frühzeitige Auseinandersetzung mit den Anforderungen der digitalen Arbeitswelt sowie eine konstruktive Haltung gegenüber Veränderungsprozessen können dabei eine wesentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Gestaltung des digitalen Wandels darstellen. Insbesondere dem Change-Management kommt in diesem Zusammenhang eine zentrale Bedeutung zu, da die erfolgreiche Implementierung neuer Technologien nicht allein von deren technischer Leistungsfähigkeit, sondern auch von der Akzeptanz und Mitgestaltung durch die Beschäftigten abhängt. Die aktive Auseinandersetzung mit zukünftigen Entwicklungsperspektiven und die Bereitschaft zur kontinuierlichen Anpassung werden daher zunehmend zu relevanten Faktoren für die individuelle und organisationale Zukunftsfähigkeit.

E-Akte, KI-Systemen, LoRaWAN, EUDI-Wallet, F13, ThAVEL haben bereits Einzug in den Alltag des öffentlichen Dienstes in Thüringen gehalten. Neue Systeme und Arbeitsorganisationen werden jedoch weiterwachsen und den Beschäftigten zum Initiator des lebenslangen Lernens anhalten.

Doch was bedeuten die Einschnitte für den beruflichen Alltag der Beschäftigten und wie kann man zukünftig noch Personal für den öffentlichen Dienst gewinnen, wenn doppelte Herausforderung wie: Demografischer Wandel und Pensionierungswellen (im Zuge des Generationenwechsels bis Mitte der 2030er-Jahre) auf einen rasanten Digitalisierungsdruck treffen? Gleichzeitig schwingt die Angst vor Job-Verlust wegen KI mit und fordert eine hohe Veränderungsbereitschaft der Bediensteten. Wie lässt sich dieser Widerspruch auflösen? Zu dieser Frage führte der Landesvorsitzendes des Thüringer Beamtenbundes, Frank Schönborn aus: 

"Die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes: Das ist die wohl sensibelste Aufgabe des gesamten Transformationsprozesses. Die Arbeitgeber müssen den Beschäftigten vermitteln: Der Arbeitsplatz als solcher ist sicher, aber die Art und Weise, wie die Arbeit erledigt wird, muss - wird sich verändern. Die Verwaltung ist geprägt von Veränderungsprozessen. Diese müssen in erster Linie durch Akzeptanz beim Führungspersonal umgesetzt werden. Sie sind in erster Linie für eine Umsetzung zuständig. Akzeptanzmanagement, Fortbildungen und eine neue Fehlerkultur helfen bei der Umsetzung. Es müssen die Vorteile für den einzelnen Beschäftigten sichtbar sein. Dabei müssen die Beschäftigten an die Hand genommen werden.

Das bedeutet konkrete Beteiligungsprozesse (Partizipation), transparente Kommunikation über das "Warum" einer Veränderung und die Garantie, dass niemand durch neue IT-Systeme überfordert zurückgelassen wird. Wenn Beschäftigte erleben, dass Digitalisierung ihnen monotone Routineaufgaben abnimmt und sie durch Qualifizierungsangebote aktiv gestärkt werden, wandelt sich die Skepsis in aktive Veränderungsbereitschaft.

Des Weiteren ist mit dem neuen Dienstrecht und den Laufbahnanerkennungen ein Vorteil für Bewerber für den öffentlichen Dienstes geschaffen worden. Junge Menschen wollen etwas für das Gemeinwohl tun und sind daher bereit, im öffentlichen Dienst zu arbeiten. In Mangelberufen ist die Verbeamtung weiterhin ein Standortvorteil des öffentlichen Dienstes. Ein Informatiker wird nicht für die Entgeltgruppe 10 in den öffentlichen Dienst gehen oder wechseln. Hier muss auch mit der Möglichkeit einer Verbeamtung geworben werden."

In Thüringen zeigt sich, dass gezielt in Regionen die Bewerber angesprochen werden müssen, die vor Ort für den öffentlichen Dienst gewonnen werden sollen. Verwaltung muss bei den Veränderungen Schritt halten. 

Weitere Informationen zum Thema:

TMDI - Digitaler Service

https://digitales-infrastruktur.thueringen.de/e-government/verwaltung-online

eGovernment Monitor 2026

https://initiatived21.de/publikationen/egovernment-monitor

HDMI Berufsstudie:

https://www.berufe-studie.de/2026_09-kuenstliche-intelligenz.html

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