30. September 2025

NachWuchsKampagne

Wir müssen die junge Generation aufblühen lassen und dürfen sie nicht mit Vorurteilen abfertigen.

Sie wollen nicht arbeiten, sind faul und nicht belastbar – über die junge Generation gibt es viele Vorurteile. Oft hört man, dass ältere Generationen den jüngeren nichts zutrauen, Kompetenzen absprechen und mangelnde Arbeitsmoral unterstellen. Generationskonflikte sind nichts Neues - so heißt es doch scheinbar schon immer: „Die Jugend von heute…“, gefolgt von einer negativen Aussage, denn schließlich „war früher alles besser“.

Es ist an der Zeit, diesen Konflikt zwischen „jung“ und „alt“ bzw. zwischen den Generationen zu beenden. Junge Menschen haben keine Abfertigung mit Vorurteilen, sondern echte Unterstützung verdient.

„Die Jugend möchte nicht Arbeiten!“ – ein stark verbreiteter Mythos

Das Vorurteil der mangelnden Arbeitsmoral junger Menschen, dass sie weniger leisten müssen und wollen, aber dabei mehr Freizeit fordern, lässt sich leicht widerlegen. Eine Studie des IAB (Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung) von Januar 2025 zeigt, dass junge Menschen im Alter von 20 bis 24 Jahren so viel arbeiten wie seit den 90er Jahren nicht mehr. Von 2015 bis 2023 stieg die Erwerbsbeteiligung um 6,2 %. Dieser Befund widerspricht gängigen Klischees zur Generation Z im Arbeitsmarkt.

Ein Generationsvergleich zeigt, dass die faule Generation Z ein Mythos ist. Laut der Trendstudie Deutschland (2025) gaben 81 % der Befragten an, bei der Arbeit ihr Bestes zu geben, um gute Leistungen zu erbringen. Ebenso 81 % der jungen Erwerbstätigen arbeiten in Vollzeit und 54 % von ihnen möchten dies in Zukunft gerne beibehalten, 10 % möchten sogar noch mehr arbeiten. Laut Zahlen des IAB waren ältere Generationen in ihren Jugendjahren NICHT fleißiger. Die Generation Z (ab 1995 Geborene) arbeitet ebenso viel wie die Generation X (die 20-24-jährigen Mitte der 1990er Jahre).

Warum Work-Life-Balance essenziell und kein „Nice to Have“ ist

Mit dieser hohen Leistungsbereitschaft geht auch eine hohe Belastung einher. Hinzu kommen weitere Herausforderungen: Inflation, anhaltende wirtschaftliche Unsicherheiten, globale Konflikte und Kriege, Wohnraummangel und das Wissen um den schwindenden Wohlstand. Dies bleibt nicht ohne Folgen: circa ein Drittel der jungen Menschen fühlen sich regelmäßig ausgebrannt, nahezu jeder vierte Befragte schätzt den eigenen psychischen Gesundheitszustand als behandlungsbedürftig ein (Trendstudie Deutschland, 2025). Die älteren Generationen würden gut daran tun, junge Menschen nicht sofort in eine Schublade zu stecken, sondern versuchen zu verstehen. Was es braucht, ist ein echtes Interesse, Verständnis und Unterstützung anstatt Verurteilung für wandelnde Prioritäten.

Aufgrund der zunehmenden Herausforderungen für die junge Generation sowohl im beruflichen als auch im privaten Kontext ist es nicht verwunderlich, dass Themen wie mentale Gesundheit, Work-Life-Balance und Wertschätzung zunehmend an Bedeutung gewinnen. Junge Menschen wollen und müssen nicht die Lebensentwürfe der vorherigen Generationen wiederholen, sondern ihren eigenen Weg finden.

Die Bedürfnisse der Jugend nicht als fehlende Leistungsbereitschaft abtun

Der Druck, in einer wettbewerbsorientierten und sich stets wandelnden Welt erfolgreich zu sein, sowie die ständige Präsenz und Verfügbarkeit über digitale Medien führen oft zu psychischen Belastungen und Erkrankungen. Dies möchte die Generation Z nicht hinnehmen und legt daher großen Wert auf eine gesunde Balance zwischen Beruf und Privatleben. Zeit für Familie, Freunde und Freizeit ist mindestens ebenso wichtig, wie die Karriereleiter.

Das Achtgeben auf die mentale Gesundheit sollte mit beruflichem Erfolg vereinbar sein. Dies ist ein Wert, welcher nicht nur jungen Menschen wichtig sein sollte, aber junge Menschen trauen sich erstmalig dafür einzutreten. Ein Vorteil bietet hierbei der Arbeitsmarkt, denn junge Menschen sind selbstbewusst und sich im Klaren über die Wichtigkeit ihrer Arbeitskraft. SIE haben die Wahl und wünschen sich von Arbeitgebern klare Grenzen bei den Arbeitszeiten, Angebote zur Gesundheitsförderung, flexible Arbeitsmodelle sowie Führungskräfte, die mit gutem Beispiel vorangehen und Wertschätzung ausdrücken. Dies sind berechtigte Bedürfnisse, um leistungsstark in der modernen Arbeitswelt bestehen zu können und kein Zeichen mangelnder Leistungsbereitschaft.

Junge Menschen möchten sich (politisch) einbringen

Trotz zahlreicher Unsicherheiten und Herausforderungen sind junge Menschen nicht resigniert, sondern möchten die Zukunft aktiv mitgestalten. Die Ergebnisse der Trendstudie (2025) zeigen, dass junge Menschen trotz einer Erschütterung des Vertrauens in politische Institutionen, eine ausgeprägte Bereitschaft zur Verantwortungsübernahme haben: Die Mehrheit der Befragten wäre bereit, steigende Rentenkosten zu tragen, um die Versorgung der Älteren zu sichern. Der Mitautor der Studie Kilian Hampel merkt an: „Diese solidarische Haltung unterstreicht den Wunsch nach einem fairen Generationenvertrag. Doch dafür braucht es […] politische Antworten auf die Frage: ‚Wie sichern wir die Zukunft dieser Generation?‘ – und zwar nicht irgendwann, sondern jetzt."

Auch andere Studien bestätigen den Willen junger Menschen, Verantwortung zu übernehmen. Die Befragung der Bertelmanns Stiftung (2024) kam zu dem Ergebnis, dass mehr als ein Drittel der Befragten Interesse daran haben, für wichtige Themen aktiv zu werden. Doch viele junge Menschen fühlen sich übersehen und nicht ernst genommen und haben den Glauben an das politische System verloren. Junge Menschen verdienen eine faire politische Beteiligung und klare Antworten. Dafür braucht es gerechte Rahmenbedingungen der Regierung, Möglichkeiten der Beteiligung und konkrete Verbesserungen anstatt leerer Versprechen. Junge Menschen sind weder faul, noch politikverdrossen aber „Die Erfahrungen der letzten Jahre haben bei ihnen den Eindruck hinterlassen, dass ihre Sorgen nicht ernst genommen werden - obwohl seit Jahren Alarm geschlagen wird.", so Hampel.

Es ist an der Zeit der jungen Generation unterstützend, wohlwollend und entgegenkommend zu begegnen, anstatt diese zu Unrecht zu stigmatisieren. Dafür ist ein offener von Wertschätzung geprägter transgenerationaler Austausch essenziell. Denn gelingt es, junge Menschen für das Unternehmen oder auch für die Politik zu gewinnen, gewinnt man an Innovationskraft, an Menschlichkeit, Dynamik und Zukunftsfähigkeit. Die Welt ist im Wandel und die junge Generation ist bereit, sie aktiv mitzugestalten, wenn man sie lässt.

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