25. September 2020

Aktuelle Ausgabe der dbb bundesfrauenvertretung

Wird unsere Arbeit unter Wert verkauft?

In der laufenden Einkommensrunde für Bund und Kommunen geht es vor allem um die Wertschätzung von systemrelevanten Berufen. Da überdurchschnittlich viele Frauen in solchen Berufen arbeiten, muss es am Tariftisch auch um Frauen gehen. Das haben wir auf dem Berliner Gendarmenmarkt am 18. September 2020, einen Tag vor der zweiten Verhandlungsrunde in Potsdam, deutlich gemacht. Gemeinsam mit unseren Kolleginnen aus Bundes- und Kommunalverwaltung haben wir ein sichtbares Ausrufezeichen hinter unsere Forderungen gesetzt (S.2).

Die vielen Beschäftigten in weiblich dominierten Berufen wie etwa im Krankenhaus, in Kindertagesstätten, Pflegeeinrichtungen, in den Gesundheitsämtern und Jobcentern bringen dieser Tage große Opfer, um die fragile öffentliche Ordnung in der Corona-Krise zu wahren. Für viele geht ein nicht unerhebliches Gesundheitsrisiko mit ihrem Beruf einher. Ausgerechnet sie
verdienen jedoch am wenigsten.

Pflegerinnen und Erzieherinnen finden es sicherlich schön, dass die CoronaKrise vielen Menschen vor Augen führt, wie wichtig ihre Arbeit ist. Wir alle kennen die Bilder von Menschen, die auf Balkonen stehen und gemeinsam im Konzert laut für sie klatschen. Vom Applaus allein kommen Frauen und ihre Familien aber nicht über die Runden. Denn Klatschen zahlt keine Miete. Es liegt nun an der Politik und an den Arbeitgebern, gesellschaftlich wichtige Arbeit finanziell aufzuwerten. Wir werden den Druck auf die Arbeitgeber deshalb bis zur nächsten Verhandlungsrunde am 22. und 23. Oktober 2020 deutlich erhöhen.

Gleichzeitig wirkt die Corona-Krise wie ein Brennglas: Die ungleiche Verteilung von Sorgearbeit zwischen Männern und Frauen wird noch deutlicher. Meist waren es die Frauen, die neben dem Job im Homeoffice die Kinderbetreuung stemmen mussten. Der Lockdown hat uns vor Augen geführt, wie zerbrechlich all unsere Errungenschaften in der Gleichstellung sind. Umso wichtiger ist es jetzt, alle Kräfte zu bündeln und für gleiche Teilhabe von Frauen und Männern einzutreten. Gerade zum richtigen Zeitpunkt haben wir zusammen mit anderen Frauen- und Männerorganisationen, Gewerkschaften, Stiftungen, Sozialverbänden und kirchlichen Akteurinnen und Akteuren das Bündnis „Sorgearbeit fair teilen“ gegründet. Gemeinsam wollen wir ein Zeichen setzen – für mehr Partnerschaftlichkeit in der privaten Care-Arbeit (S.4). Denn nur wenn die Lasten in den Familien – ob Haushalt, Pflege, Kinderbetreuung oder Erwerbsarbeit – gleichmäßig verteilt sind, werden gleiche Verwirklichungschancen für alle Geschlechter hergestellt.
 

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